Zonenplanrevision: Aesch will keine starke Verdichtung

Die Gemeindeversammlung segnet den neuen Zonenplan mitsamt ­Zonen- reglement nach intensiver Debatte ab. Schotter- und Steingärten werden nicht verboten.

Neuer Zonenplan: Aesch soll moderat wachsen – und zwar nur entlang der Hauptverkehrsachsen. Foto: Nicolas Blust

«Allen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann.» Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher (SP) begann das Traktandum zur Revision Zonenplan Siedlung mitsamt überarbeitetem Zonenreglement mit einem Satz, der das Generationen­projekt gut beschreibt. Es war wenig überraschend, dass der schlussendlich deutlichen Annahme des Zonenplans und des Reglements bei nur zwei Gegenstimmen eine intensive Debatte vorausging. Für den Gemeinderat ist diese überwäl­tigende Zustimmung ein grosser ­Erfolg.

Zu reden gab das vom Gemeinderat aufgrund von Eingaben im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung beantragte Verbot von Stein- und Schottergärten mit wasserundurchlässigen Folien. Die Gemeindekommission wollte den Paragrafen komplett streichen, SVP, FDP und die Mitte stellten einen Änderungsantrag. Solche in der Allgemeinheit umstrittenen Umgebungsgestaltungen sollen mit Auflagen möglich bleiben. Dies sah auch eine deutliche Mehrheit der Versammlung so. Neu müssen Schottergärten begrünt werden, um eine «übermässige» Aufheizung im Sommer zu verhindern. Zudem muss der Unterbau wasserdurchlässig sein. Folien, die einen Austausch zwischen Boden und Umwelt verhindern, werden verboten. Stein- und Schotterflächen auf Beton sind nicht erlaubt.

Beim Zonenplan war schnell eine Konstante feststellbar: Sämtliche Anträge auf höhere Ausnützungsziffern wurden von der Versammlung abgelehnt. Dazu gehörten Parzellen entlang der Bahnhofstrasse und am Landjäger-Gässlein im Ortszentrum. Das Signal der Versammlung war unmissverständlich: Eine zu starke Verdichtung ist nicht erwünscht.

Kindergarten wird nicht unter Schutz gestellt

Gemeindepräsidentin Sprecher versicherte im Rahmen der Diskussion um geforderte Aufzonungen, dass Aesch in den Bestandesbauten noch Potenzial für Erweiterungen habe. Dem Gemeinderat sei wichtig, dass Aesch seinen Charakter nicht verliere. Auch dürfe die Infrastruktur nicht zu sehr belastet werden. ­SP-Landrat Jan Kirchmayr ist überzeugt: «Der dörfliche Charakter von Aesch bleibt erhalten.» Die Verdichtung geschehe «moderat» und den Hauptachsen ­entlang.

Kein Verständnis zeigte die Versammlung zum Vorhaben, den Kindergarten Brüel unter Schutz zu stellen. Gemäss Sprecher sei dieser ein Elementbau aus den 1970er-Jahren, den es so nur noch selten gibt. Zwei Gutachten bestätigten die Schutzwürdigkeit des einstigen Provisoriums. Bei Unterschutzstellungen hat oft der Kanton das letzte Wort. Der Gemeinderat unterstützte den Antrag von FDP und der Mitte sowie der Pfarrer-­Albert-Brunner-Stiftung als Eigentümerschaft, die Unterschutzstellung zu streichen.

Keine Beiträge für Pflege im Alter

Vor einem Jahr erklärte die Gemeindeversammlung einen Antrag von SP-Vizepräsidentin Pascale Schnell für erheblich, damit Personen, die Angehörige im Alter zu Hause pflegen und betreuen, Beiträge von der Gemeinde erhalten. Daraufhin hat der Gemeinderat ein entsprechendes Reglement ausgearbeitet, das am vergangenen Donnerstag vorgestellt wurde. Der Gemeinderat schlug Beiträge von 10 bis maximal 40 Franken pro Tag vor. Pro Monat können Beiträge für 10 bis maximal 25 Tage angefordert werden.

Für mehrere Votantinnen und Votanten waren die möglichen Kosten zu hoch. Kritik kam vor allem von der FDP. Co-Präsident Martin Glatz warnte vor einer «Zweiklassengesellschaft», da nur Beiträge für die Pflege und Betreuung von älteren Menschen gesprochen werden sollen. Glatz erwähnte unter anderem Eltern, die ihre schwer kranken Kinder über Jahre hinweg pflegen und betreuen. Eine wirkliche Kontrolle werde nicht stattfinden, befürchtet Glatz. Antragstellerin Pascale Schnell entgegnete, dass die Kosten höher ausfallen würden, wenn die Seniorinnen und Senioren früher ins Alters- und Pflegeheim eintreten müssten, weil sie zu Hause nicht gepflegt und betreut werden.

Auch Marianne Hollinger gingen die möglichen Zahlungen zu weit. «Aus Anerkennung wurde Bezahlung», mahnte Hollinger. Die ehemalige Gemeindepräsidentin der FDP scheiterte mit einem Antrag auf Rückweisung, damit der Gemeinderat eine neue Vorlage ausarbeiten kann. Die Mitte scheiterte mit dem Antrag, die maximal möglichen Beiträge auf 10 Franken pro Tag und 15 Tage pro Monat zu beschränken. In der Schluss­abstimmung wurde das Reglement mit 125 zu 85 Stimmen bei 10 Enthaltungen abgelehnt.

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