Eine Weinbau-Ära geht zu Ende
Monika Fanti hört nach über 30 Jahren als professionelle Winzerin auf. Sie hat die Entwicklung der Aescher Klus mitgeprägt und mitgeholfen, die Weinqualität in der Region markant zu steigern.

Monika und André Fanti stossen vor dem Ökonomiegebäude und dem Winzerbeizli mit einem feinen Tropfen aus dem eigenen Hause auf den Abschied an. Die letzten Tage und Wochen waren ereignisreich. Stammgäste wollten noch einmal mit ihnen in der einmaligen Atmosphäre im Beizli anstossen und Danke sagen. Danke sagen für das enorme Engagement für hervorragende Weine, eine schön gepflegte Landschaft und einen Ort, an dem man an den Wochenenden oder zu speziellen Anlässen gerne einkehrt. Mit 65 Jahren geht Monika Fanti in den wohl- verdienten Ruhestand. «Ein lachendes und ein weinendes Auge», beschreibt sie ihre aktuelle Gefühlslage. Viel Wehmut schwinge in diesen Tagen mit. Aber auch Vorfreude auf mehr Freizeit und die Erleichterung, dass der ständige Druck, Qualität liefern zu müssen, wegfällt.
Bereits vor der Corona-Pandemie hat sich Monika Fanti Gedanken über ihre Pension gemacht. Ihr war bewusst, dass die Übergabe eines Weinbaubetriebs eine herausfordernde Angelegenheit sein würde. Mit Valentin Schiess von der vinigma GmbH habe sie einen geeigneten Nachfolger gefunden. Seine Kellerei hat Schiess auf dem Dreispitzareal. Reben besitzt der Winzer auch im Bündnerland. Als Ergänzung kauft er Trauben aus dem Wallis zu.
Am 1. April fand die offizielle Übergabe statt. Der Betrieb wird verpachtet. Land und Gebäude bleiben weiterhin in Besitz der Familie Fanti. Das Winzerbeizli wird in Zukunft Cyril Wipf bewirten. Wipf führt seit Mai 2023 mit zwei Kollegen den Predigerhof auf dem Bruderholz. Am 12. April soll es beim Winzerbeizli zur feierlichen Übergabe und Einweihung kommen.
Freiheiten vom Vater
Monika Fanti folgt in diesen aufwühlenden Tagen und Wochen dem Prinzip, dass alles im Leben, auch das Schwierige und Enttäuschende, zu etwas Gutem führen wird. So soll es auch mit ihrem nächsten Lebensabschnitt sein. Mit Valentin Schiess hat sie vereinbart, dass sie weiterhin ein paar Reben pflegen darf. Von der Profiwinzerin wird sie wieder zur Hobbywinzerin, so wie 1988 alles angefangen hat.
Damals unternahm sie ihre ersten Kniffe im Rebberg, der damals noch zum Restaurant Kluserstübli gehörte, das ihre Eltern gemeinsam führten. Der Weinbau war Teil des Gastronomiebetriebs. Mit 32 Jahren begann Monika Fanti eine Winzerlehre, nachdem sie zuvor das Büro des Baugeschäfts ihres Mannes geführt hatte. Ihr Vater liess sie gewähren, wenn sie im Rebberg neue Anbau- oder Schneidetechniken ausprobieren wollte. Dafür ist sie ihm bis heute dankbar. Als Monika Fanti die Parzellen von ihren Eltern kaufen konnte, führte sie den Weinbau in eine neue Ära. Ihr Ziel war es von Anfang an, daraus einen eigenständigen Familienbetrieb zu machen.
Prämiert und ausgezeichnet
Monika Fanti hatte das Glück gehabt, in einer Zeit des Umbruchs einzusteigen, als in der ganzen Winzerbranche Veränderungen anstanden. Mehr Fokus auf Qualität, mehr Mut zur Auslese und mehr wissenschaftliche Kenntnisse über die Reben, Trauben und die Kellerei sorgten für ein verbessertes Image der Weine aus der Region Basel.
Die Folgen waren mehr Verkäufe, Medaillen und Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Monika Fanti nahm selten daran teil. Wenn doch, kam sie fast immer mit einer Prämierung oder Medaille nach Hause. Die Kürung zum Staatswein 2019 des Kantons Baselland in der Königskategorie Blauburgunder bezeichnet die 65-Jährige als einer ihrer Karrierehöhepunkte. Dass es ihr gelang, mit dem «Il FANTIno» einen südlich angehauchten Wein aus drei verschiedenen Trauben und mit dem Sauvignon Blanc «my SEELEdröpfli» erfolgreich eigene Kreationen zu lancieren, erfüllt Monika Fanti noch heute mit Stolz. Gerade in stressigen Zeiten konnte die renommierte Winzerin auf die Unterstützung der Familie zählen. Das Ökonomiegebäude und das Winzerbeizli entstanden in familiärer Eigenregie. Tochter Stefanie führte das Beizli während über zehn Jahren. Sohn Marco half beim Bau tatkräftig mit. Dass ihre beiden Kinder langfristig andere Wege eingeschlagen haben und den Betrieb nicht übernehmen wollten, konnte Monika Fanti stets gut akzeptieren. «Jeder hat das Recht, im Leben das zu tun, was Freude bereitet. Ich hatte diese Chance auch und habe sie genutzt.» Ereignisreich, manchmal turbulent und immer spannend sei die Zeit als Winzerin gewesen, schreibt Fanti in einem Brief an die Besucherinnen und Kunden. «Und sie war vor allem eines –wunderschön!»