Die vermeintlichen zwei Töchter
Am letzten Wochenende spielte die «Laiebühni Glögglifels» in der Mehrzweckhalle die Komödie «Dr liebestolli Puur» von Peter Hinrichsen. Der turbulente Verwechslungsschwank kam beim Publikum sehr gut an.

Erstmals nach fünf Jahren präsentierte die Grellinger «Laiebühni Glögglifels» wieder ein Theaterstück. Bedauerlicherweise fiel mit Martin Erbsmehl ein Hauptdarsteller und zugleich der Regisseur aus. Deshalb musste Anita Hänni gleich zwei Rollen spielen, die Magd Annelies und die Bäuerin Huber. Der Dreiakter basiert auf einem relativ einfachen Handlungsgerüst mit folgenden Ingredienzien: das Klischee der unglücklichen Ehe, der jugendliche Testosteron-Bomber, der unverbesserliche alte Schürzenjäger und die Verwandlung des hässlichen Entchens zum schönen Schwan. Das Ganze steht — frei nach Schiller — unter dem Motto: «Drum prüfe ewig, wer sich bindet, ob sich nicht noch was Bessres findet. Die Wahl ist kurz, die Reu ist lang!» Das Bauernehepaar Grunder hat Geldsorgen; der Hof steht kurz vor der Pfändung. Rolf bereut offensichtlich, dass er geheiratet hat. Tatsächlich hat seine Frau Susanne die Hosen an und kann dem alten Pantoffel- und Maulhelden Paroli bieten. Zum Glück kündet sich die Bäuerin Huber an, die für ihre Tochter Melanie einen Mann sucht. Grunders nehmen Witterung auf, denn ihr Sohn Stefan ist noch ledig, und Melanie wäre eine gute Partie. Da Stefan am letzten Dorffest Melanie ziemlich ungeniert angebaggert hat, will diese sich rächen und verwandelt sich in die — in Wirklichkeit gar nicht existente — zweite Tochter Tanja; also Theater im Theater. Tanja ist hässlich wie die Nacht, tappig und doof bis grenzdebil. Irgendwann werden die Magd Anneliese und auch Susanne Grunder in das Doppelspiel eingeweiht. Es findet eine Scheinverlobung zwischen Stefan und Tanja statt. Der Schwerenöter Rolf Grunder aber verguckt sich in Tanja und arrangiert mit ihr ein nächtliches Date, das gründlich in die Hosen geht, weil statt Tanja Susanne im Nachthemd erscheint. Selbstverständlich bekommt am Ende Stefan seine Melanie, und Rolf muss sich geschlagen geben.
Abgerundete Ensembleleistung
Hans-Peter Hänni verkörperte den Bauern, Sprücheklopfer und Angeber Rolf Grunder perfekt. Auch in seiner Rolle als Aufreisser und Charmeur erntete Hänni viele Lacher und grossen Applaus. Christa Raithofer, welcher die Rolle der garstigen, aber schlauen Susanne Grunder oblag, hatte viele Sympathien auf ihrer Seite. Maxime Libsig, der Jüngste der Truppe, musste in seinem Part als Sohn Stefan verschiedene Charakterfacetten an den Tag legen. Dass Anita Hänni sowohl die ausgekochte Magd als auch die reiche Bäuerin Huber spielte, merkten viele erst, als sie ins Programmheft blickten. Auch Claudia Kübli musste zwei Rollen spielen, doch so war es im Rollenheft vorgesehen. Als Melanie zeigte sie anfänglich ihre kratzbürstige Seite, als Tanja mimte sie glänzend die Unbedarftheit und Zutraulichkeit der Schein-Schwester. In den Pausen und nach der Komödie spielte die Formation «Les Colisses du Haut» aus dem Berner Jura auf, die mit Kontrabass, Geige und Schwyzerörgeli das Publikum bestens unterhielt.