Den Kollaps verhindern

Ab dem 28. April fährt während 22 Wochen keine Bahn mehr zwischen Laufen und Aesch. Mit einem umfassenden Ersatzkonzept soll gewährleistet werden, dass die Reise vom Laufental Richtung Basel einigermassen erträglich bleibt.

Nadelöhr: Der Doppelspurausbau gerade hier in Grellingen Richtung Duggingen ist wegen der engen Platzverhältnisse anspruchsvoll. Eine Totalsperre ist unumgänglich. Fotos: Gaby Walther

Nadelöhr: Der Doppelspurausbau gerade hier in Grellingen Richtung Duggingen ist wegen der engen Platzverhältnisse anspruchsvoll. Eine Totalsperre ist unumgänglich. Fotos: Gaby Walther

Verbreiterung: 11000 Kubik Fels wurden in Grellingen abgetragen.

Verbreiterung: 11000 Kubik Fels wurden in Grellingen abgetragen.

«Unser Ziel ist es, dass während der Totalsperre die Leute weiterhin den öffentlichen Verkehr nutzen und nicht auf das Auto umsteigen», sagt Dominic Wyler, Verkehrsplaner Abteilung ÖV BL. Nur so könne eine noch grössere Überlastung der Strasse verhindert werden. In einem Monat ist es so weit: Vom 28. April bis 28. September wird auf der Strecke zwischen Laufen und Aesch kein Zug mehr verkehren. Letzte Woche luden die SBB zur Medienkonferenz nach Grellingen ein. Die verschiedenen Player zeigten auf, welchen Nutzen der Ausbau der Doppelspur zwischen Duggingen und Grellingen bringt, wo die Arbeiten stehen, weshalb es zur Totalsperre kommt und welche Verkehrsmassnahmen für diese Zeit geplant sind. «Es ist brutal eng Richtung Laufental. Mit dem Ausfall der Bahn beginnt für die Region und die Reisenden eine schwierige Zeit. Aber mit einem guten Ersatzangebot wird alles getan, um eine stabile Fahrt aufrechtzuerhalten», ist Regierungspräsident Isaac Reber überzeugt.

18 Busse und 40 zusätzliche Fahrerinnen und Fahrer

Während der Totalsperre verkehren drei Bahnersatzbuslinien im Viertelstundentakt: Laufen-Zwingen-Grellingen-Duggingen-Aesch, Laufen-Aesch ohne Halt und Zwingen-Aesch. Hinzukommen zusätzliche Anpassungen der Postauto-Verbindungen in die umliegenden Dörfer. Die S-Bahn zwischen Aesch und Basel fährt im Viertelstundentakt. 18 zusätzliche Busse konnten für diese Zeit aufgetrieben werden. «Davon 10 bis 15 externe Busse. Es werden also nicht nur gelbe Postautos unterwegs sein», erklärt Michael Schmid, Planer bei der PostAuto AG. 40 zusätzliche Fahrerinnen und Fahrer sind während dieser Zeit im Einsatz. «Genügend Leute zu finden, ist immer schwierig. Es werden auch Pensionierte Schichten übernehmen. Bis zum 70. Lebensjahr ist das erlaubt.» 2200 Personen können in der Stunde mit den Ersatzbussen transportiert werden. «Die SBB transportieren im Schnitt von Laufen Richtung Basel morgens zwischen fünf und acht Uhr rund 5000 Personen per Bahn. Mit den Ersatzbussen können auch wir diese transportieren», so Schmid.

Keine zusätzlichen Parkplätze an den Bahnhöfen

Die SBB bieten während der Totalsperre vergünstigte Tageskarten für die P+Ride-Anlagen in Laufen, Zwingen, Duggingen und Aesch an. Erfahrungsgemäss sind diese Parkplätze bereits jetzt gut besetzt. Auf Nachfrage, ob zusätzliche Parkplätze angeboten werden, verneint Reto Aebi, zuständig für die Fahrplankonzeption der SBB. Er meinte aber, dass durch die zusätzlichen Postauto-Angebote die Leute dann zum Teil von einem attraktiveren öffentlichen Angebot profitieren können. Die Polizei, der Kanton und das ASTRA werden während der ganzen Sperre die Strassenverhältnisse beobachten und wenn nötig, zum Beispiel mit dem Verkehrsdienst, eingreifen.

Neben dem dichten Angebot an Bahnersatzbussen und den Anpassungen im Strassenraum — zum Beispiel die Verbreiterung der Verbindungsstrasse Angen­stein-Bahnhof Aesch, damit Postautos und Autos kreuzen können — stehen weitere Alternativangebote zur Entlastung zur Verfügung.

HitchHike-Fahrgemeinschaften, Co-Working-Space Bermuda (das «Wochenblatt» berichtete) sowie Aktionen bei den Velohändlern sollen den Verkehr entlasten. Weiter empfehlen die Verantwortlichen, Spitzenzeiten zu meiden, Umfahrung des Engpasses Angenstein, Homeoffice sowie das Velo zu nützen.

Gute Vorarbeit für den Ausbau

Seit Frühjahr 2023 sind die SBB im Auftrag des Bundes bereits am Ausbau der vier Kilometer langen Strecke zwischen Chessiloch in Grellingen und Letten bei Duggingen. Die Totalsperre ist nötig, da auch das bestehende Gleis wegen der engen Platzverhältnisse rückgebaut und neu erstellt werden muss. Zudem muss ein Grossteil der Baulogistik für das Zu- und Wegbringen von Material und ­Maschinen via Bahntrasse erfolgen. «All diese Arbeiten finden in sehr beengenden Platzverhältnissen zwischen Hang, Wohnquartier und Birs statt», erklärt Projektleiter Andreas Jäger. Ohne fünfmonatige Sperre wäre der Ausbau nicht möglich gewesen, betont Jäger auf Nachfrage, auch nicht alleine mit Nacht- und Wochenendsperre, wie in früheren Pressekonferenzen kommuniziert wurde.

Bereits wurden zahlreiche wichtige Arbeiten ausgeführt. So wurde beim Bahnübergang Richtung Duggingen mit Sprengungen 11000 Kubik Fels abgetragen. «Zu einem grossen Teil können wir dieses Gestein beim Bau wiederverwenden», so Jäger. Angepasst werden im Gesamtprojekt auch die Bahnhöfe Duggingen und Grellingen, die Bahnübergänge in Grellingen — neu nur noch zwei plus eine Personenunterführung — sowie die Velo- und Fusswege. «Die Arbeiten werden auch nach dem 28. September weitergehen. Ab diesem Moment fahren jedoch die Züge wieder», bekräftigt Jäger.

Neues Angebot ab 14. Dezember

«Die Region wird anschliessend von dem attraktiven ÖV-Ausbau profitieren. Dank des Doppelspurausbaus zwischen Grellingen und Duggingen wird der Halbstundentakt zwischen Basel und Biel möglich. Der IC51 Basel–Laufen–Delémont–Biel wird zudem bis Lausanne verlängert. Die Fahrpläne der Postautos werden den neuen Verbindungen angepasst bzw. es werden mehr Fahrten angeboten», betonen die Verantwortlichen. Das neue ­Angebot tritt mit dem Fahrplanwechsel vom 14. Dezember 2025 in Kraft.

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