«Ich habe Strom gemacht!»
Am Energieerlebnistag im Aumattschulhaus lernten die Primarschüler in theoretischer und spielerischer Form die Bedeutung der Energie kennen.

Tobias Gfeller
Mit letzter Kraft tritt Gianluca in die Pedale. Langsam fängt der Mixer auf dem Gepäckträger an zu laufen. Soeben hat der 11-Jährige aus eigener Energie einen Milchshake gemixt, den er anschliessend verdientermassen trinken darf. «Ich habe eigentlich gedacht, dass es leichter geht, bis der Mixer zu drehen beginnt», resümiert der Fünftklässler noch sichtlich erschöpft.
Den Kindern im Aumattschulhaus wurde an diesem Montagmorgen bewusst, wie viel Kraft und Energie nötig ist, um gewisse Produkte des Alltags herzustellen. «Mit dem Energieerlebnistag wollen wir die Kinder für dieses sehr wichtige Thema sensibilisieren», erklärt Lehrer Renato Angst, der von Lehrerseite den Spezialtag organisierte. Federführend an diesem Morgen waren aber die Vertreter des Ökozentrums Langenbruck, das auf dem Gebiet der ökologischen Bildung Pionier ist. Finanziert wurde das Projekt von «Energie Schweiz» und der IWB.
«Kein Verhalten aufzwingen»
Der Energietag ist eine Mischung aus praxisnaher Theorie und Spiel. Dabei wurden den Kindern bewusst, wie viel Energie aufgewendet werden muss, bis Spargeln, Chips oder eine Pizza im Ladenregal stehen. Gianluca war besonders erstaunt über die Tatsache, dass mit dem Energieaufwand für die Herstellung weniger Chicken Nuggets ein Kleinwagen 56 Kilometer weit fahren könnte. Denn die Nuggets stammen aus Brasilien, was nur ganz klein gedruckt auf der Hinterseite der Verpackung steht. Es sind solche «Aha-Erlebnisse», die bei den Kindern für ihren Alltag ein Bewusstsein schaffen sollen. «Wir wollen keinesfalls moralisch predigen und den Kindern ein Verhalten aufzwingen», sagt Yves Gärtner vom Ökozentrum Langenbruck. «Wir möchten unser Fachwissen auf eine spannende Art rüberbringen.»
Schaut man in die strahlenden und teilweise erstaunten Gesichter der Kinder, ist dies eindeutig gelungen. Die verschiedenen Posten waren altersgerecht aufgeteilt. So mussten die Erstklässler auf dem Hometrainer alles geben, um den Föhn, den Rasierapparat, das Radio oder die Glühbirnen zum Laufen zu bringen. «Ich habe Strom gemacht!», ruft Lukas (7) stolz. Die Kinder erkennen, dass zuerst die Energiesparlampen leuchten und erst nach noch mehr Trettempo die herkömmlichen Glühbirnen brennen. Auf dem Rudergerät spürten die Kinder, wie viel Energie sie aufwenden müssen, damit diese einem gegessenen Schokoriegel oder Apfel entspricht. Mit einer Handkurbel brachten sie Wasser zum Kochen. Doch wer überlegt sich bei solchen Alltagsprodukten schon, wie viel Energie eine gewisse Handlung benötigt.
Generation der Energiewende
Besonders viel Eindruck hinterliess das rosarote Holzschwein, das über ein Kilogramm Maiskörner schlucken musste, bis es am Ende ein 200 Gramm schweren Steak hergeben würde. «Vieles, was die Schweine essen, brauchen sie als Energie zum Leben oder scheiden es wieder aus», erläuterte Gärtner das Beispiel. Beim symbolischen Einkaufen erhielten die Kinder einen Kassenzettel, auf dem die durch das gekaufte Produkt bereits verbrauchte Energie aufgelistet ist.
Am Ende des Morgens war Lehrer Renato Angst sichtlich zufrieden. «Die Kinder haben mit viel Freude mitgemacht und hoffentlich einiges mitgenommen. Diese Generation muss einmal die Energiewende schaffen», so Angst mit einem Blick in die Zukunft.