Startschuss für den neuen Richtplan: Wie sieht das Reinach von morgen aus?

Reinach erarbeitet einen neuen Richtplan. Nun wurde die Bevölkerung ein erstes Mal gebeten, mitzureden. Das beschäftigt die Reinacherinnen und Reinacher.

Blick in die Zukunft: Wie soll sich Reinach entwickeln? Dieser Frage wurde am vergangenen Mittwoch an der Startveranstaltung zum neuen Richtplan behandelt.Foto: zvg/Archiv

Wohin bewegt sich Reinach? Dieser Frage wurde in der vergangenen Woche in Reinach nachgegangen. Die Gemeinde lud die Bevölkerung zur «Startveranstaltung kommunaler Richtplan» ein. Rund 40 Interessierte kamen dafür im Gemeindesaal zusammen. Gemeindepräsident Ferdinand Pulver eröffnete den Abend: Der Richtplan sei ein wichtiges Planungsinstrument und stecke den strategischen Rahmen für die räumliche Entwicklung der Gemeinde ab. Wie soll sich Reinach entwickeln, wo wird in Zukunft gewohnt und gearbeitet, wie bewegen sich die Menschen durch die Stadt, wie werden Siedlung, Verkehr und Landschaft aufeinander abgestimmt? Diese Fragen kläre der Richtplan, so Pulver.

Da der alte Richtplan aus dem Jahr 2005 stamme, brauche es nun einen neuen, erklärte Nicole Wehrli Sarmiento, Projektleiterin der Gemeinde. Das meiste aus dem alten Richtplan sei umgesetzt, gewisse Dinge aber auch veraltet oder überholt. «Wir brauchen wieder einen Wegweiser, wo wir in Zukunft hingehen wollen», sagte Wehrli.

Darum wird in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro EBP in den kommenden drei Jahren ein neuer Richtplan ausgearbeitet. Dabei sollte aber auch die Reinacher Bevölkerung miteinbezogen werden, betonten sämtliche Vertreter von Gemeinde und Planungsbüro. Darum fand am vergangenen Mittwoch auch die erste Veranstaltung statt, bei der die Reinacherinnen und Reinacher aktiv am Prozess mitwirken durften. Weitere werden in den kommenden zwei Jahren ­folgen.

Gute Anbindung an Autobahn und ÖV – Nähe zum Grünen

In einer ersten Gruppenarbeit wurden die Anwesenden gebeten, die Stärken und Schwächen Reinachs aufzulisten. Dabei zeigte sich, dass die guten Verkehrsanbindungen und die Nähe zum Grünen wie aber auch zur Stadt sehr geschätzt werden. Auch bei den Schwächen herrschte Einigkeit unter den Bewohnerinnen und Bewohnern: Mehrmals wurde erwähnt, dass es zu wenig Einkaufsmöglichkeiten im Dorf gäbe, der Begriff Schlafstadt wurde mehrfach genannt. Zudem gäbe es zu wenig günstigen Wohnraum und bezahlbare Alterswohnungen, so der Tenor. Ausserdem befürchteten die Anwesenden, durch das verdichtete Bauen ginge zu viel Grünraum verloren.

Die Fachleute von EBP konnten einige Stärken wie die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr sowie an die Autobahn statistisch unterstreichen. Sie gaben aber auch an, dass Reinach im schweizweiten Vergleich einen hohen Wohnflächenbedarf pro Person habe, vor allem aufgrund der eher hohen Anzahl Einfamilienhäuser. Daher gäbe es auch viel Grün im Siedlungsgebiet. Ausserdem besitze Reinach dank dem Gewerbe- und Industriegebiet im Kägen viele Arbeitsplätze.

In einer zweiten Gruppenarbeit wurden die Anwesenden gebeten, ihre Sorgen über die Zukunft der Gemeinde sowie mögliche Chancen, die ergriffen werden sollen, aufzuschreiben. Diese wurden dann im Plenum gesammelt und von allen anwesenden Einwohnerinnen und Einwohnern nach ihrer Wichtigkeit geordnet. Das Ergebnis vermittelte den Planern einen guten Eindruck, welche Stossrichtungen sich die Anwesenden für den neuen Richtplan wünschen.

Reinach will sich mehr begegnen und nur moderat wachsen

Die Reinacherinnen und Reinacher wünschen sich mehr Begegnungsorte für alle Altersgruppen. Zudem besteht die Angst, dass ein zu grosses Wachstum Grünflächen verdrängen und zu einem Verkehrskollaps führen könnte. Trotzdem blickten die Anwesenden optimistisch in die Zukunft: Sie sehen den neuen Richtplan als Chance, eine klimaangepasste Stadtentwicklung voranzutreiben und mehr Räume für Begegnungen zu schaffen.

Zum Abschluss richtete Gemeindepräsident Pulver noch ein paar Worte an die Anwesenden. Er bedankte sich für die konstruktiven Diskussionen und Einwände und versicherte, dass auch der Gemeinderat dem Thema Wachstum kritisch gegenüberstehe. Reinach dürfe nicht um jeden Preis wachsen. Gleichzeitig wachse aber die Bevölkerung in der ganzen Schweiz und Reinach sei beliebt. Daneben gab er einen Ausblick, wie es nun mit dem Richtplan weitergeht. Die nächste Gelegenheit zur Mitwirkung seien Themenworkshops im kommenden Frühling. Wer bis dahin ein Anliegen habe, dürfe sich aber jederzeit bei der Gemeinde melden.

 

 

 

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