Anwälte und Ärzte unter Verdacht

Eva Rüetschi geht mit ihrem fünften Kriminalroman den menschlichen Schwächen in Sachen Geld und Sex nach. Die Basler Kommissarin Tina Merz ermittelt dabei in Akademikerkreisen.

Mord in Akademikerkreisen: Eva Rüetschi mit ihrem neuen Krimi «Familienbande».  Foto: ZVG
Mord in Akademikerkreisen: Eva Rüetschi mit ihrem neuen Krimi «Familienbande». Foto: ZVG

Ina Kunz

Der Krimi «Familienbande» führt die Leser in eines der guten Wohnquartiere von Basel und der ältere Herr, der von jungen Rowdys überfallen wird, weckt zunächst die Sympathie der Leser. Aber es stellt sich immer mehr heraus, dass der distinguierte Alexander Schönherr ein Mann mit einer zweifelhaften Vergangenheit war und sein Tod nichts mit dem Überfall zu tun hat, zumal noch zwei weitere Personen aus dem Umfeld des pensionierten Anwalts sterben. Der Kreis der Verdächtigen, die für einen Mord infrage kommen erweitert sich ständig und die Kommissarin Tina Merz und ihr treuer Assistent Mario Biasotti sehen sich immer wieder neuen Ermittlungsfragen gegenüber, die auch über die Kantons- und Landesgrenze hinaus gehen.

Nach der Themenfindung gefragt, sagt Eva Rüetschi: «Viele Themen finden sich im medizinischen Bereich, mein Mann ist Arzt. Ich bin ein kommunikativer und neugieriger Mensch, das führt zu vielen spannenden Gesprächen, die in einem Roman zusammenfliessen können.» Dabei versteht es die Autorin bestens, den Spannungsbogen immer weiter zu ziehen, sodass der Kriminalroman bis zum Ende fesselt.

Lebenserfahrung fliesst hinein
Wie auch in den ersten vier Krimis der Reinacher Autorin liefern Gesellschafts- und Sozialkritik den Hintergrund zu den Romanen. Eigentlich sind es Gesellschaftsromane, in denen Verbrechen stattfinden. Bei Eva Rüetschis Krimis mit Basler Lokalkolorit kreisen die Themen immer wieder um die Gleichstellung der Geschlechter. Was sich in der Position der eigenwilligen Kriminalkommissarin Tina Merz manifestiert, die das in einem von Männern geprägten Arbeitsfeld, nämlich bei der Polizei, und insbesondere von dem Kollegen Schär zu spüren bekommt.

Zudem ist die Kommissarin alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen und übt sich im Spagat zwischen Beruf und Familie. Und dass die Autorin dem Leser auch Einblicke in das Privatleben und die Vorlieben der Romanfigur Tina Merz gewährt, bringt den Alltag einer entschlossenen und attraktiven Kommissarin ein Stück näher.

Auch Themen wie Ausländerintegration, Jugendgewalt, Männerseilschaften und politische Ränkespiele lässt Eva Rüetschi mit viel innerem Engagement aus ihren Lebenserfahrungen einfliessen – die promovierte Juristin wirkte viele Jahre im Zivil- und am Strafgericht, und war jahrzehntelang alsPersonalberaterin und Politikerin tätig. «Meine Protagonisten sind reine Fantasie, die Begegnungen mit Menschen inspirieren mich und ich kann mir gut vorstellen, welche Charaktereigenschaften zu welchen Handlungen führen können», so die die ehemalige Reinacher Gemeindepräsidentin. Jedenfalls bilden die beiden Kommissare Tina Merz und Martin Biasotto ein gutes Team – auch wenn Biasotto seine Kollegin zuweilen mit «Chefin» anspricht – spasseshalber.

Eva Rüetschi liest in der Bibliothek

WoB. Am 7. November, 19.30 Uhr, liest und signiert Eva Rüetschi in der Schul- und Gemeindebibliothek Reinach ihr neustes Buch «Familienbande» (Spalentor Verlag 2012, S.341, Fr. 29.00).
Von der Krimireihe mit Tina Merz sind bisher erschienen: «Sesseltanz mit Dame» (Opinio Verlag 2002; vergriffen), «Geld kostet Leben» (Opinio Verlag 2004, Fr. 28.00), «Eine Pille zum Glück» (Schardt Verlag 2006, Fr. 19.80), «Hadramaut» (Spalentor Verlag 2008, Fr. 29.00)
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