Totalsperre zwischen Laufen und Aesch naht: Angedachter «Plan B» verworfen

In sieben Wochen ist es so weit: Dann fahren zwischen Laufen und Aesch wegen des Doppelspurausbaus während fünf Monaten keine Züge mehr. Nicht weiterverfolgt wird eine Idee zur Entlastung der Strasse im Gebiet Angenstein.

Verlängerte Reisezeit: Am Bahnhof in Aesch heisst es bald aussteigen und auf den Ersatzverkehr ins Laufental umsteigen. Foto: Kenneth Nars

Vom 26. April bis zum 28. September wird die Bahnlinie zwischen Laufen und Aesch komplett gesperrt. Grund ist der Doppelspurausbau zwischen Grellingen und Duggingen, der künftig das Kreuzen von Zügen ermöglicht. So sollen Fern­verkehrszüge auf der Linie Basel–Biel ab Ende 2025 im Halbstundentakt verkehren. «Die fünf Monate werden ganz schwierig fürs Laufental. Dafür haben wir danach den Doppelspurausbau, von dem das ganze Laufental profitiert», ­sagte der Laufner Stadtpräsident Pascal Bolliger im Dezember gegenüber dieser Zeitung.

Die Fahrzeit verlängert sich deutlich

Klar ist: Reisende auf dieser Strecke müssen ein knappes halbes Jahr in den sauren Apfel beissen. In einer Arbeitsgruppe mit dem Bundesamt für Strassen (Astra), dem Kanton Baselland und den SBB seien verschiedene Verkehrsmassnahmen entwickelt worden, schreiben die SBB auf Anfrage. Auch Massnahmen für mögliche Verkehrs- und Notfallszenarien seien definiert. «Ziel ist, dass der Verkehrsfluss nicht behindert und für alle Verkehrsteilnehmenden optimal gestaltet wird.»

Die SBB haben zwei Bahnersatzan­gebote in petto. Zwischen 5.30 und 22.50 Uhr verkehrt viermal pro Stunde ein Direktbus ohne Halt zwischen Laufen und Aesch. Zusätzlich fährt auf derselben Strecke – auch im Viertelstundentakt – ein weiterer Bahnersatzbus mit Halten in Zwingen, Grellingen und Duggingen. Der Anschluss an die Bahnersatzbusse wird durch Anpassungen der regionalen Buslinien gewährleistet. Auch die S‑Bahn zwischen Aesch und Basel fährt während der Totalsperre im Viertelstundentakt. Dennoch verlängert sich die Reisezeit von Laufen nach Basel um 15 bis 30 ­Minuten.

Plan B war Gemeinden ein Dorn im Auge

In den vergangenen Monaten wurde in der Arbeitsgruppe über einen möglichen Plan B diskutiert, falls das erarbeitete Konzept nicht ausreichen sollte. Dieser sollte ein Chaos auf der schon überlasteten Strasse im Gebiet Angenstein verhindern und wurde vom Laufner Mitte-Landrat Marc Scherrer ins Spiel gebracht. Sein Vorschlag: Im Notfall könnten während der Stosszeiten die von Duggingen her kommende Zufahrt auf die Baselstrasse sowie die Abfahrt von der Baselstrasse auf die Hauptstrasse nach Aesch gesperrt werden. Dadurch sollte der Verkehr auf der Hauptachse besser fliessen. Der Dugginger Gemeinderat Matthias Gysin war von dieser Idee nicht begeistert. «Wir wollen nicht ein ganzes Dorf von der Zufahrt abschneiden», sagte er im Juni 2024 gegenüber der bz. Würde die Zufahrt auf die Baselstrasse gesperrt, müsse man bei Angenstein über das enge Strässchen nach Aesch hinüber fahren, wo ohnehin schon die Ersatzbusse verkehren würden.

Nun können Aesch und Duggingen aufatmen. Die Experten der zuständigen Stellen hätten gemeinsam entschieden, die Idee nicht umzusetzen, bestätigen die SBB. «Die negativen Auswirkungen haben überwogen.» Die betroffenen Gemeinden seien beim Entscheid einbezogen worden.

Nicht noch mehr Verkehr in Aesch

Der Aescher SP-Landrat Jan Kirchmayr ist erleichtert. Wäre die Zufahrt von Duggingen über die Brücke bei Angenstein gesperrt, würden alle Fahrzeuge von Duggingen oder auch Seewen durch Aesch fahren. Er betont: «Es kann nicht sein, dass Aesch den gesamten Verkehr des vorderen Laufentals aufnehmen muss.»

Die Quartiere seien bereits heute von Verkehr geflutet. «Der Plan B hätte Haupt- und Quartierstrassen noch mehr belastet.» Dies hätte in puncto Sicherheit und Lärmbelästigung zu einer verminderten Lebensqualität der Aescher Bevölkerung geführt. «Wir müssen nicht über einen Plan B diskutieren, wir müssen schauen, dass Plan A funktioniert», bekräftigt der SP-Landrat.

Kirchmayr unterstützt das Bauvorhaben der SBB und gönnt den Laufnerinnen und Laufnern die künftigen Vorteile. Jedoch sei die Gemeinde Aesch vom Doppelspurausbau bereits genügend betroffen und belastet – ohne dass sie selbst am Ende direkt davon profitiere, dass mehr Schnellzüge fahren. «Wir im Birstal haben nur etwas davon, wenn diese in Dornach-Arlesheim halten und auch der S‑Bahn-Viertelstundentakt Basel–Aesch endlich umgesetzt wird.»

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