Endstation Laufen
Nach 20 Jahren wird die regionale Verbindung von der Deutschschweiz in die Romandie gekappt. Das sorgt für Kritik.
In Grellingen in die S3 zu steigen und direkt nach Courgenay zu fahren, wird bald nicht mehr möglich sein. Kommen Sie aus der Laufentaler Gemeinde, müssen Sie künftig in Laufen und Delsberg umsteigen. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember gehört die regionale Direktverbindung zwischen der Deutschschweiz und der Romandie der Vergangenheit an. Nach der Einführung der Linie vor 20 Jahren wird die S3 nur noch nach Laufen verkehren. Aufgrund des Doppelspurausbaus im Laufental fahren künftig zwei Schnellzüge von Basel nach Biel, wobei einer davon nach Lausanne weiterfahren wird. Dies geht zulasten des Regionalzugs, der alle Gemeinden mit einem Bahnhof zwischen Olten und Porrentruy, insgesamt 25 Bahnhöfe, anfährt. Dass die SBB die Linie kappen, sorgt für Kritik, auch wenn die zwei Schnellzüge Vorteile mit sich bringen.
Wanderer und Maturanden gucken in die Röhre
«Uns erwartet eine Umsteigerei», sagt Linard Candreia. Der ehemalige SP-Landrat aus Laufen gehört zu den regionalen Verfechtern eines Austauschs zwischen der Deutschschweiz und der Romandie. «Wir erhalten durch den Doppelspurausbau einiges, aber das ist ein Wermutstropfen.» Für Personen aus dem Basel-biet oder aus Basel-Stadt, die in der Ajoie wandern möchten, werde eine Zugreise mühsamer. «Sie müssen nun umsteigen. Für die Freizeitregion ist das kein Gewinn.» Aber auch Arbeitnehmende, die mit der S3 zwischen den beiden Sprachregionen pendeln, hat Candreia im Blick. «Nicht zu vergessen die Schülerinnen und Schüler, die in Laufen und in Porrentruy die bilinguale Maturität absolvieren.» Seit dem Jahr 2012 bieten die Kantone Baselland und Jura diese an. Zwischen Delémont und Porrentruy werden zwar auch künftig Regionalzüge verkehren, aber ohne Umsteigen wird es für die Maturanden nicht mehr gehen. Für Laufen führe der neue Fahrplan klar zu Verbesserungen, für die anderen Laufentaler Gemeinden an der Bahnlinie jedoch nicht. Der Grellinger Gemeindepräsident Peter Pflugi bestätigt dies: «Für Grellingen bringt der Doppelspurausbau überhaupt nichts. Wir haben Lärm und Mauern durch den Bau, künftig zwei Schnellzüge, die durchs Dorf rasen, aber trotzdem keinen Viertelstundentakt bei der S-Bahn.» Auch die Verkürzung der S3 sei für die Gemeinde eine Verschlechterung.
Didier Jolissaint, Maire von Courgenay, erfährt erst durch diese Zeitung von den bevorstehenden Veränderungen beim Bahnverkehr. Er werde sich beim zuständigen Kanton Jura melden, sagt er. «Aber grundsätzlich ist das nicht gut für unsere Gemeinde.» Der zweite Schnellzug, der neue IR56, ist Teil des Angebotskonzepts 2035 des Bundes. «Dadurch ist auf den Schienen keine zusätzliche Kapazität mehr vorhanden», schreibt SBB-Mediensprecher Moritz Weisskopf. Die Fahrgäste würden im Rahmen der Fahrplankommunikation informiert. Zu den Fahrplanänderungen ist eine erste Information im Mai geplant und dann später im November eine weitere. Zur Auslastung der S3 erklärt er: «Die S-Bahn-Verbindung in den Jura ist aktuell nicht stark frequentiert.» Der neue Halbstundentakt bedeute jedoch für viele Passagiere eine Verbesserung.