Steiner-Denkmal wäre fast «Übersichtlichkeit und Ordnung» zum Opfer gefallen
Zu Steiners 100.Todestag wurde ein Denkmal am Bahnhof Dornach-Arlesheim errichtet. Lange stand auf der Kippe, ob dieses überhaupt installiert werden kann – denn die SBB hatte Bedenken.

Nun steht sie da: die gegossene Nachbildung aus Bronze von Rudolfs Steiners Reisekoffer. Zahlreiche Schaulustige pilgerten am Samstagmittag zum Bahnhof Dornach-Arlesheim zur Eröffnung des neuen Denkmals. Eine Büste oder ein anthroposophisches Kunstwerk habe man Rudolf Steiner nicht errichten wollen. «Was hatte Steiner am meisten in der Hand? Seinen Koffer!», erklärte Stefan Hasler, Vorstandsmitglied der Anthroposophischen Gesellschaft. In seiner Art soll der Koffer auf das Denkmal von Otto Stich in Oberdornach verweisen. Beim Otto-Stich-Platz erinnern eine Tabaktasche und eine Pfeife an den einstigen Bundesrat. Bei Steiner ist es nun eben eine Nachbildung seines Reisekoffers. Das Original wird noch heute im Ita Wegman Institut aufbewahrt. Steiner verbrachte den grossen Teil seiner Schaffenszeit auf Reisen: «Dieser Koffer war eigentlich sein Zuhause», sagte Hasler. Dieses alte «Zuhause» wurde mittels Scan genau ausgemessen und mit einem 3D-Drucker nachgebildet. Anschliessend wurde die Figur gegossen. Dabei haben die beiden Künstler Helge Brackmann und Michèle Elsener bei den Arbeiten in ihrem Münchensteiner Atelier auf alle Details geachtet: So ist etwa auch Steiners Unterschrift darauf nachgebildet.
Um das Denkmal zu realisieren, erhielt die Anthroposophische Gesellschaft finanzielle Unterstützung von Dornacher und Arlesheimer Unternehmen. Hasler betonte: «Das ist ein gemeinsames Projekt, das für die nächsten 100 Jahre stehen wird.»
Delegation aus Steiners Geburtsort angereist
Gemeindepräsident Daniel Urech hob in seiner Ansprache die Wichtigkeit des Goetheanums und seines Parks als eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten im Kanton hervor. «Das Goetheanum ist ein inspirierender Ort, der die Menschen zusammenbringt», so Urech.
Gekommen waren neben dem Gemeindepräsidenten Daniel Urech auch die Gemeinderatsmitglieder Janine Eggs, Maria Montero Immeli und Daniel Müller. Ob dies am Anlass, am aktuellen Wahlkampf oder an der Delegation aus Donji Kraljevec (Ortschaft in Kroatien), Steiners Geburtsort, lag? Letztere war eigens für die Feierlichkeiten angereist. Bürgermeister Miljenko Horvat nahm Bezug auf die Familiengeschichte des berühmten Dornachers und erklärte, die Eltern Steiners seien in Donji Kraljevec wohl genau mit so einem Koffer angereist. Es sei Schicksal gewesen, dass sie gerade dort angekommen seien – kein Zufall.
Der Bürgermeister liess denn auch nicht aus, etwas vom Erfolg Steiners auf seinen Geburtsort zurückzuführen: «Small Rudi» habe in seinen ersten Lebensjahren schliesslich die gute Luft seines Geburtsorts eingeatmet, sagte er und sorgte damit für erheitertes Lachen unter den Anwesenden. Am Bahnhof in Donij Kraljevec sitze übrigens eine ganze Statue Steiners, erwähnte der Bürgermeister weiter und lud die Anwesenden gleich zu einem Besuch nach Kroatien ein.
«Damit haben wir den Sterbeort mit dem Geburtsort Steiners verbunden und das ganze Leben Steiners zusammengefasst», sagte Hasler zum Abschluss mit einem Schmunzeln.
Denkmal stand auf der Kippe wegen Regeln der SBB
Der Denkmaleröffnung war in den vergangenen Monaten ein veritables Hin und Her zwischen Goetheanum und der SBB vorangegangen. Die SBB, der das Bahnhofsgelände gehört, lehnte die Installation des Koffers zuerst ab. Der Grund? Ein Projekt, mit dem die Bahnhöfe schweizweit aktuell aufgeräumt werden, um «das Erscheinungsbild der Bahnhöfe zu verbessern». So heisst es in einem Schreiben der SBB: «Dabei werden nicht zwingend benötigte Elemente entfernt. Ziel ist es, die Übersichtlichkeit und Ordnung zu verbessern.» Steiners Koffer hätte in das neue Bild der «Ordnung» offenbar nicht gepasst.
Die SBB anerkenne das Engagement für den 100. Todestag von Rudolf Steiner und die Feierlichkeiten zu diesem Anlass, schrieb Mediensprecher Moritz Weisskopf Anfang Dezember auf Anfrage. «Unabhängig davon beurteilen wir Gesuche für Installationen an unseren Bahnhöfen aus Gründen des einheitlichen Erscheinungsbildes und der Gleichbehandlung grundsätzlich restriktiv.»
Nachdem die Einwohnergemeinde sowie das Goetheanum mehrfach nachhakten und ein Konzept mit Visualisierung vorlegten, lenkte die SBB schliesslich ein.
Nun ist der Koffer fest verankert und die Tafel installiert – damit dürfte das Denkmal bis auf weiteres auch dort bleiben.