Taufe mit dem Feuerlöscher

Der Reinacher Rettungsdienst hat seine neuen Krankenwagen vorgestellt. Auch Regierungsrat Thomi Jourdan war dabei.

Ungewöhnliche Einweihung: Regierungsrat Thomi Jourdan tauft die neuen Rettungswagen in Reinach. Foto: zvg

Ausgerüstet mit einem gelben Feuerlöscher steht Thomi Jourdan im Korb einer Feuerwehrleiter der Regionalfeuerwehr Birs. Mit dem Feuerlöscher tauft der Baselbieter Gesundheitsdirektor zwei neue Rettungswagen der Rettungsdienste NordWestSchweiz AG auf dem gemeinsamen Gelände des Rettungsdienstes, der Feuerwehr Birs und der Gemeindepolizei Reinach an der Pfeffingerstrasse. Die beiden neuen Fahrzeuge sind schon seit rund einem Monat im Einsatz. Die Rettungsdienste NordWestSchweiz AG kaufte auf einen Schlag gleich vier neue Rettungswagen. Zwei Wagen dienen als Ersatzbeschaffung für den Standort Reinach, zwei Wagen sind Neuanschaf­fungen für den am 1. Januar 2024 neu eröffneten Aussenstandort in Breitenbach.

222000 Franken habe ein einzelner Rettungswagen gekostet, verrät Geschäftsführer Kai-Simon Roloff. Für das private Unternehmen eine grosse Investition und ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Nach dem ESC Mitte Mai in der St. Jakobshalle werden zwei ältere Fahrzeuge ausgemustert. Für den Grossanlass möchte der Rettungsdienst mit möglichst vielen Rettungswagen gerüstet sein.

Ergonomischere und effizientere Abläufe

Danach befinden sich mit den Neuanschaffungen sämtliche fünf Rettungswagen am Standort Reinach auf dem gleichen Stand der Technik. Es helfe den Mitarbeitenden, wenn in allen Fahrzeugen alles identisch eingerichtet sei, betont Pascal Frank, Leiter Rettungsdienste. Schon kleine Verbesserungen in den neuen Wagen könnten viel bewirken. Als Beispiel nennt Frank eine seitliche Tür, an der im Innern das EKG-Gerät befestigt ist. «Anstatt einmal um das ganze Fahrzeug herumzugehen, kann der Fahrer diese Tür auf seiner Seite öffnen und das EKG-Gerät herausnehmen. So ist er schneller beim Patienten.» Dank der ­optimierten Einrichtung steht den Rettungssanitäterinnen und -sanitätern mehr Arbeitsfläche zur Verfügung. «Die Abläufe im Fahrzeug sind ergonomischer und effizienter», beschreibt Frank.

Die Rettungsdienste NordWestSchweiz AG hat ihren Ursprung unter dem Firmennamen Käch in Dornach. 2019 zügelte das Unternehmen an die Pfeffingerstrasse in Reinach. Die unmittelbare Nähe zur Feuerwehr und zur Gemeindepolizei sei in Einsätzen hilfreich, betont Pascal Frank. «Man sieht sich fast täglich. Man kennt sich, die Kommunikation und so auch die Abläufe funktionieren.» Der Standort in Reinach sei für den Rettungsdienst optimal, sagt Kai-Simon Roloff. «Wir befinden uns im Ballungszentrum unseres Einsatzgebiets, das primär den Bezirk Arlesheim umfasst. Hier in Reinach wohnen am meisten Menschen.» Wichtig sei der direkte Anschluss an die Autobahn, auch wenn gerade die Verbindungen ins Laufental regelmässig verstopft sind.

Sorgen wegen Verkehrszunahme und Gleissperrung

In Zusammenarbeit mit dem Sanitätsdienst des Kantonsspitals Baselland deckt die Rettungsdienste NordWestSchweiz AG auch das Laufental ab. Die bevorstehende Sperrung der Bahnlinie ins Laufental bereitet Kai-Simon Roloff und Pascal Frank Kopfzerbrechen, da befürchtet wird, dass der Verkehr auf der viel befahrenen N18 noch einmal zunehmen wird.

Die hervorragenden Einsatzzeiten – im Jahr 2024 war der Rettungsdienst in 95 Prozent der Fälle innerhalb der vorgegeben Hilfsfrist von 15 Minuten vor Ort – bestätigen die optimale Lage des Hauptquartiers in Reinach. Gemäss Statistik waren die Rettungswagen im vergangenen Jahr im Durchschnitt in 8,6 Minuten am Einsatzort. Die Zunahme der Einsatzzahlen – 2024 waren es über 1000 Einsätze mehr als 2021 – sorgt dafür, dass der Platz am Standort an der Pfeffingerstrasse knapp wird.

Mit der räumlich engen Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und der Polizei geniesst die Rettungsstation in Reinach im ganzen Kanton Baselland Vorzeigecharakter. Ähnliche Projekte sollen auch in Liestal und Laufen realisiert werden. Dort ist nach wie vor das Kantonsspital Baselland mit Rettungswagen stationiert. Mit den zwei Fahrzeugen in Breitenbach ist zusätzlich für eine optimale Abdeckung im Schwarzbubenland und im Laufental gesorgt. Der Rettungsdienst mit Sitz in Reinach teilt sich die Abdeckung der gesamten Region Basel mit der Sanität Basel-Stadt und dem Rettungsdienst des Kantonsspitals Baselland. Es besteht eine gemeinsame Notrufzentrale. Es gilt das Prinzip, dass jener Rettungswagen, der sich am nächsten am Einsatzort befindet, ausrückt.

Gemeinsame Notrufzentrale

Bei der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) begrüsst man die Neuinvestitionen in die Fahrzeugflotte. «Die Rettungsdienste NordWestSchweiz AG ist im Gesamtgefüge mit den anderen beiden Rettungsdiensten ein wichtiger Bestandteil der bedarfsgerechten und qualitativ hochstehenden Versorgung der Kantonsbevölkerung mit geeigneten und modernen Rettungsmitteln», schreibt Mediensprecherin Michèle Eggenschwiler auf Anfrage. «Durch die gemeinsame Disposition durch die Sanitätsnotrufzen­trale ist es möglich, bei sogenannten Simultaneinsätzen, wenn also alle Rettungsmittel eines Anbieters besetzt sind, einen anderen Anbieter an den gewünschten Einsatzort zu disponieren. Ein Standort im Raum Reinach ist dafür gut geeignet.»

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