Knall in der FDP: Kilcher tritt bei den Wahlen mit einer eigenen Liste an

Gemeinderat Urs Kilcher kehrt der FDP den ­Rücken. Er könne sich mit der Ortspartei nicht mehr identifizieren.

Will sich für moderne Infrastruktur einsetzen: Urs Kilcher. Foto: Wochenblatt Archiv / ZVG

Vor den Gemeindewahlen vom 13. April kracht es bei den Dornacher Liberalen. Der bisherige FDP-Gemeinderat Urs ­Kilcher kehrt seiner Partei den Rücken: «Ich werde mich als FDP-Gemeinderat bei den nächsten Wahlen nicht mehr zur Verfügung stellen, sondern mit einer eigenen Liste antreten», sagt Kilcher auf Anfrage des Wochenblatts.

Alain Amhof, Präsident der FDP Dornach, sagt, diese Lösung habe sich in diversen Gesprächen als die beste herauskristallisiert, und betont, Kilcher sei nicht aus der Partei ausgeschlossen worden. «Für uns ist es völlig okay, dass er alleine antritt.» War der Alleingang also eine kurzfristige Entscheidung, weil man sich nicht einig war? «Nein, das war für mich schon länger klar. Es fiel mir nicht einmal schwer, den Entscheid zu fällen», sagt Kilcher entspannt. Den Entschluss habe er gefasst, weil er sich mit seiner Ortspartei nicht mehr identifizieren könne. «Die Meinungen über die Zukunft des Dorfes waren zu unterschiedlich. Die FDP will nur sparen und nichts investieren, ich aber stehe für ein modernes Dorf ein», sagt der ehemalige Bauunternehmer. Investitionen seien immer nur zurückgestellt worden, damit die Gemeinde keine roten Zahlen schreibe und es keine Steuererhöhung gebe. «Eine Gemeinde kann aber – genau wie eine Firma – nur funktionieren, wenn sie modern ist. Wenn die Infrastruktur instand gehalten wird, kann man wieder für viele Jahre warten und in dieser Zeit sparen. Die FDP denkt nicht unternehmerisch!» Sein Leben lang sei er Mitglied der FDP gewesen. Nach der laufenden Legislatur wolle er seinen Austritt aus der Partei geben.

Kilcher reagiert mit dem Schritt auch auf Kritik an seiner Person. «Die Vorwürfe aus der Partei, dass ich im Gemeinderat teilweise nicht auf Parteilinie stimmen würde, kamen öfter. Aber ich bin keine Marionette gewisser Personen, die das Dorf befehligen wollen.»

Tatsächlich stimmt Kilcher im Gemeinderat regelmässig nicht so wie seine beiden Kollegen Ludwig Binkert und Daniel Müller. Das missfällt den bürgerlichen Kräften spürbar. Kilcher ist ausserdem im Unterstützungskomitee des grünen Regierungsratskandidaten Daniel Urech. Das überrascht, zumal mit Sibylle Jeker (SVP) eine bürgerliche Frau aus dem Schwarzbubenland als Alternative zur Wahl stünde.

Kilcher schliesst Listenverbindung mit Grünen, SP oder Mitte nicht aus

Bei den Wahlen im April will Kilcher allein auf einer Liste antreten. Es sei ihm ein Anliegen, die angefangenen Projekte fertigzustellen, erklärt er. «Die vergangenen vier Jahre haben nicht gereicht, um die Infrastruktur in Schuss zu bringen. Dafür brauchen wir noch einmal vier Jahre Zeit.»

Den Einzug in den Gemeinderat zu schaffen, dürfte für den Unternehmer ein schwieriges Unterfangen sein. Der Dornacher Gemeinderat wird im Proporzsystem gewählt. Das bedeutet, dass die Parteistimmen über einen Einzug in die Exekutive entscheiden. Als einzelne Person auf einer Liste dürfte es Kilcher deshalb kaum auf genügend Stimmen bringen. Mit einer Listenverbindung zu einer anderen Partei könnte der Coup vielleicht gelingen. Dafür sei er offen, so Kilcher. «Ich kann mit den Grünen, der SP oder der Mitte leben. Ich will mich nicht in ein Klischee zwängen lassen. Dornach soll ein Dorf sein, in dem alle gerne leben.»

Urs Kilcher wurde 2021 neu in den ­Gemeinderat gewählt. Die Liberalen profitierten damals von der Listenverbindung mit der SVP und konnten sich den dritten Sitz sichern. Die SVP Dornach hat bekannt gegeben, dieses Jahr keine Listenverbindung mit der FDP einzugehen. Das ändere sich auch mit dem Entscheid von Kilcher nicht, sagt SVP-Präsident Dominic Tschudin: «Für uns ist es nicht entscheidend, ob Urs Kilcher nun mit der FDP antritt oder als Parteiloser.»

Bei den letzten Wahlen habe die Partei immer festgehalten, dass die Listenverbindung mit der FDP nicht einer «politischen Heirat» gleichkomme. Die SVP habe aber das Ziel vor Augen gehabt, die Gemeindepolitik «entschieden bürgerlicher zu gestalten». Eine Listenverbindung mit Kilcher einzugehen, schliesst die Partei nicht kategorisch aus: Falls dieser auf die SVP Dornach zukäme, gebiete es «der Respekt ihm gegenüber», dass dies parteiintern in die Vernehmlassung gegeben werde, so Tschudin weiter. Stand heute stehe mit niemandem eine Listenverbindung zur Debatte.

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