Eine abenteuerliche Umrundung der Welt mit Spannung und Pfiff
Am Wochenende präsentierte das Jugendtheaterprojekt der Reformierten Kirchgemeinde unter der Leitung von Marie-Louise Lienhard eine Bühnenadaption von Jules Vernes «In 80 Tagen um die Welt».
Thomas Brunnschweiler
Kaum ein Buch des französischen Autors Jules Verne vermochte Bühnenautoren wie Filmemacher so sehr zu dramatischen Umsetzungen zu beflügeln wie der Roman «In 80 Tagen um die Welt», der 1873 erschienen ist. Die Geschichte des exzentrischen Gentlemans Phileas Fogg, der gegen den gesamten Reform Club in London 20 000 Pfund wettet, er könne in 80 Tagen die Welt umrunden, ist hinlänglich bekannt. Regisseurin Marie-Louise Lienhard fand für die Inszenierung mit den 12- bis 17-jährigen Jugendlichen die bereits vorliegenden Bühnenfassungen ungeeignet.
So schrieb sie, nahe am Romantext bleibend, selbst eine Fassung. Die Spielenden kommen aus der Arlesheimer Staatsschule sowie aus den vier Rudolf Steiner Schulen der Region. Da es mit 20 Mädchen und 4 Jungen Besetzungsprobleme gab, übernahmen kurzerhand Mädchen auch männliche Rollen. Mit den Textproben wurde in der zweiten Augustwoche begonnen. In den letzten zehn Tagen vor der Premiere wurde täglich geprobt. Die Arbeit hat sich ausgezahlt. Die Jugendlichen präsentierten einen bunten Bilderbogen und leisteten sich eine wahre Kostümschlacht.
Erzählerischer Grundduktus
Das Stück ist eher narrativ als dramatisch konzipiert. So gab es mit Rose eine Erzählerin, mit britischer Noblesse verkörpert von Nina Hummel. Ein Bühnenbild war ausser bunten Vorhängen und minimalen Requisiten inexistent. Die jeweilige Umgebung entstand im Kopf der Zuschauer. Das Stück begann und endete mit einem Tanz, der – wie ein wiederholter Stundenschlag – das Zyklische des Geschehens aufzeigte. Obwohl die Gesamtleistung sehr homogen war, müssen doch die Hauptrollen hervorgehoben werden. Gabriel Balmer spielte den exzentrischen, leicht versnobten Phileas Fogg mit nötiger Steifheit und vornehmer Geisteshaltung. Charlotte Meffert gab den geschwätzigen und alerten Diener Passepartout mit französischem Akzent, wobei das hohe Sprechtempo etwas auf Kosten der Verständlichkeit ging.
Theaterpädagogische Leistung
Lukas Strahl nahm man den hartnäckigen Inspektor Fix, der Fogg um die Welt verfolgt, durchaus ab. Und mit Sangita Singh war die Rolle der indischen Prinzessin Aouda perfekt besetzt. Marie-Louise hat mit den Sprech-, Tanz- und Akrobatikszenen den Mitspielenden die Möglichkeit gegeben, alle ihre Fähigkeiten zur Geltung zu bringen. Es war ein gelungenes Stück Jugendtheater, das dem Alter der jungen Miminnen und Mimen angepasst war.
Hinter dem Jugendtheaterprojekt steht die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Arlesheim. Zu deren finanzieller Unterstützung kommen Beiträge von der Gemeinde Arlesheim sowie der Support des Zirkus Robiano, der Rudolf Steiner Schule Birseck und von Rock Light. Marie-Louise Lienhards Produktionen sind immer wieder ein Sprungbrett zu anderen Bühnen, insofern leistet die Initiantin eine nicht zu unterschätzende theaterpädagogische Arbeit. Das Birseck scheint sich zum Eldorado für das Jugendtheater zu entwickeln.