Woher soll und kann Strom kommen?

Die Klimalokalgruppen Baselland luden vergangenen Freitag zu einer engagiert geführten Podiumsdiskussion ein. Es ging darum, wie und wo Strom produziert werden kann, ohne die Pflanzen- und Tierwelt, Naherholungs­gebiete und die Land­wirtschaft allzu sehr in ­Mitleidenschaft zu ziehen.

Energie-Gesprächsrunde: (v.l.) Till Rechsteiner, Thomas Tribelhorn, Esther Maag (Moderatorin), Thomas Fabbro und Regierungsrat Isaac Reber. Foto: Carlo Lang
Energie-Gesprächsrunde: (v.l.) Till Rechsteiner, Thomas Tribelhorn, Esther Maag (Moderatorin), Thomas Fabbro und Regierungsrat Isaac Reber. Foto: Carlo Lang

Im katholischen Pfarreisaal in Laufen stellte Moderatorin Esther Maag, Journalistin und Politikerin, zuerst Lotti Stokar von den Klimalokalgruppen Baselland vor. Diese macht sich Sorgen, wie sich unser Klima verändert, und sie möchte, dass sich Menschen, die sich gemeinsam für ein gutes und gesundes Klima engagieren, vernetzen. Die Diskussionsrunde bildeten Isaac Reber, Regierungsrat Baselland und Bau- und Umweltschutzdirektor, Thomas Tribelhorn, Geschäftsleiter ADEV Energiegenossenschaft, Thomas Fabbro, Co-Geschäftsführer Pro Natura Baselland, und Till Rechsteiner vom Klimabündnis Basel. In einem Punkt waren sich alle einig: Unser Strom müsste ausschliesslich umweltverträglich, durch Wind, Wasser und Sonne, und nicht mit fossilen Brennstoffen und Kernkraft produziert werden.

Das Thema ist riesig

Für Isaac Reber ist klar, dass im ganzen Kanton nach Möglichkeiten gesucht werden muss, erneuerbaren Strom herzustellen. Auf einer Karte zeigte er auf, wo er sich vorstellen könnte, Sonnenlicht, Wind- und Wasserkraft zu nutzen: «Wir müssen uns bewegen und Kompromisse eingehen! Wir dürfen nicht überall von vornherein Nein sagen, sondern gut prüfen, was möglich, sinnvoll und verträglich ist. Konflikte mit Interessengemeinschaften wird es geben. Darüber muss man sich austauschen, aber auch über Finanzielles wie Kantonsbeiträge für den Bau von Fotovoltaikanlagen.» Laut Reber will der Kanton diesbezüglich mit verschiedenen eigenen Projekten, beispielsweise bei öffentlichen Gebäuden, eine Vorbildrolle übernehmen und das Energieproblem aktiv anpacken. Dabei behalte der Kanton neben der Energiegewinnung die Biodiversität und Erholungsgebiete stets im Auge.

Thomas Fabbro begrüsste die Anstrengungen des Kantons, Natur und Energie zusammen anzuschauen, wies aber darauf hin, dass einige angedachte Projekte im Verhältnis Nutzen/Schaden zu gross seien: Wenn ein die Natur stark einschneidendes, kleines Kraftwerk nur sehr wenig Strom liefern könne, sei dies nicht sinnvoll. «Wenn die Natur von Menschen­hand kaputtgemacht wird, bleibt sie meistens für immer kaputt», gab Fabbro zu bedenken, und er meinte, wir Menschen sollten auch unseren Lebens­stil ändern.

Dass Kompromisse auch von jungen Klimaaktivistinnen und -aktivisten eingegangen werden müssen und nötig sind, um das Energieproblem anzugehen, ist für Till Rechsteiner klar: «Man muss schauen, mit welcher Art der Energiegewinnung auf kleinstem Raum am meisten erreicht werden kann — und das dann fördern. So wie es heute aussieht, gewinnt man im Verhältnis zum benötigten Platz, langfristig gesehen, mit Windkraft wohl am meisten Energie.»

Thomas Tribelhorn zeigte auf, dass es alle drei Kräfte zusammen brauche — Sonne, Wind und Wasser —, um übers ganze Jahr, saisonal- und tagesunabhängig, etwa gleich viel Strom produzieren zu können. «Man muss auch Möglichkeiten zum Produzieren erneuerbarer Energie entdecken, an die man heute noch zu wenig denkt, zum Beispiel könnte man in der Landwirtschaft mit Fotovoltaik statt mit Plastik die Kulturen abdecken oder in den Bergen könnte man im Zusammenhang mit Lawinen­verbauungen Solarstrom nutzen.»

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