Der perfekte Tee, den es eigentlich gar nicht gibt

Ein Schüler der Wirtschaftsmittelschule Reinach (WMS) erfand für seine Diplomarbeit einen fiktiven Coronatee und gewann damit den erstmals verliehenen Handelskammer-Preis.

Nach der Preisübergabe: Luca Lenherr mit Karin Vallone von der HKBB (l.) und Schulleiterin Yvonne Neuenschwander. Foto: Tobias Gfeller
Nach der Preisübergabe: Luca Lenherr mit Karin Vallone von der HKBB (l.) und Schulleiterin Yvonne Neuenschwander. Foto: Tobias Gfeller

142 Schülerinnen und Schüler der Wirtschaftsmittelschule Reinach erhielten vergangene Woche nach erfolgreicher Berufsmaturität und dem EFZ-Abschluss ihre Zeugnisse. Der Aescher Luca Lenherr stach dabei heraus. Einerseits erreichte er den hervorragenden Notenschnitt von 5,7 und schaffte damit den Sprung in die Ränge, andererseits erstellte er eine Projektarbeit, die so ihres Gleichen suchte. Diese Interdisziplinäre Projektarbeit – kurz IDPA – wurde im dritten und vierten Jahr verfasst und verband den theoretischen Teil der Schule mit dem Praktikumsjahr. Früher stand die Projektarbeit zum Ende des dritten Schuljahres auf dem Programm. «Wir wollen damit ganz klar den Praxisbezug der WMS weiter hervorheben», erklärt Schulleiterin Yvonne Neuenschwander.

Täuschend echt

Für seine Projektarbeit erhielt Luca Lenherr den erstmals vergebenen Preis der Handelskammer beider Basel. Der 21-Jährige absolvierte sein Praktikumsjahr beim Basler Pharmaunternehmen Mepha, das sich auf Generika spezialisiert hat. Für seine Diplomarbeit erfand der Aescher einen Tee, der gegen Corona helfen soll, entwickelte für diesen eine Werbestrategie und setzte diese auch gleich um.

Dass der «Echinacea-Tee» ein fiktives Produkt war und so gar nie gegeben hat und wohl auch nie geben wird, spielte dabei keine Rolle. «Wenn dieser Tee in der Apotheke ausgestellt würde, würde niemand merken, dass dieser nicht echt ist.» Die Worte der Leiterin Bildung der Handelskammer beider Basel Karin Vallone an der Abschlussfeier waren ein Indiz dafür, dass es Luca Lenherr gelang, das fast perfekte Produkt zu kreieren. Er designte und vermarktete den Tee so, dass er exakt in die Produktpalette von Mepha passen würde. Zum virtuellen Auftritt drehte er zusätzlich einen 30 Sekunden langen Werbeclip, für den er extra einen Werbesprecher engagierte. Den auf dem Computer per 3D-Programm kreierten Tee bastelte er abschliessend sogar nach. Dafür kaufte er einen normalen Tee, riss das Zettelchen vom Teebeutel ab und heftete ein eigenes Logo dran. Die Schachtel war von einem Originalpräparat von Mepha nicht zu unterscheiden.

Identifikation mit dem Arbeitgeber

Der CEO von Mepha war von der Idee und Umsetzung von Luca Lenherrs Tee derart begeistert, dass er diesen an einem Firmenevent vor 160 Mitarbeitenden präsentieren durfte. Aufgrund der grossartigen Projektarbeit und weil der Aescher während des Praktikums einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat, wurde die Anstellung in der Marketingabteilung von Mepha gleich bis November verlängert, bis Luca Lenherr in die Rekrutenschule oder in den Zivildienst muss.

Karin Vallone von der Handelskammer betont, wie wichtig in der heutigen Wirtschaftswelt die Fähigkeiten sind, die Luca Lenherr mit seiner Projektarbeit an den Tag gelegt hat. «Eigeninteresse, Eigenmotivation, Kreativität und Originalität sind Attribute, die Unternehmen so gerne haben.» Bei Luca Lenherr habe man gespürt, wie sehr er sich mit seinem Arbeitgeber identifiziert. Die Handelskammer beider Basel erarbeitet für die WMS-Abgängerinnen und -Abgänger die Praktikumsplätze. Für Karin Vallone ist klar: «Luca Lenherr hat beste Voraussetzungen für eine Karriere in der Wirtschaft.»

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