Hoher Besuch aus Mazedonien: «Die Schweiz ist wie ein Mosaik»

Der nordmazedonische Bischof Kiro Stojanov besuchte vergangene Woche mehrere Gemeinden in der Region. Dabei gab er Einblick in das Leben der kleinen katholischen Minderheit in Nordmazedonien.

Katholische Stippvisite: Bischof Kiro Stojanov zu Besuch in der Schweiz. Foto: Florin Bürgler

In Nordmazedonien gibt es schätzungsweise nur etwa 15000 Menschen katholischen Glaubens, also weniger als ein Prozent der Bevölkerung. Demgegenüber stehen die christlich-orthodoxe Kirche und der Islam, denen jeweils zwei Drittel bzw. ein Drittel der etwas mehr als zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Nordmazedoniens angehören.

Das Oberhaupt dieser kleinen katholischen Minderheit ist Kiro Stojanov, dessen freundliche und zurückhaltende Art eine gewisse Ruhe ausstrahlt. Geboren wurde er im Jahr 1959 in Radovo – einem kleinen Dorf, das jedoch eine Besonderheit mit sich bringt: «In meinem Heimatdorf sind fast alle katholisch, was in Anbetracht unserer kleinen Minderheit schon aussergewöhnlich ist», meint Stojanov. Sein geistlicher Werdegang wurde ihm dabei gewissermassen bereits in die Wiege gelegt. «Alle meine fünf Geschwister sind entweder Bischöfe, Priester oder Nonnen geworden.» Einer seiner Brüder fiel durch das religiöse Raster, dafür sei dann sein Sohn Priester geworden, erzählt Stojanov schmunzelnd. Stojanov zog es nach seiner Schulzeit für das Studium nach Rom. Dieses musste er aber aufgrund des obligatorischen Wehrdienstes im damaligen Jugoslawien unterbrechen. Eine überraschend gute Zeit, wie er meint: «Das war sehr lehrreich. Und für mich als Theologiestudent war es wertvoll, die Unterschiede in der Gesellschaft zu sehen.» Danach kehrte Stojanov wieder nach Rom zurück, wo er in Kirchenrecht promovierte, bevor es ihn über einen Umweg als Priester in Zagreb erneut nach Radovo in die Heimat verschlug.

Interreligiöser Rat und unterschiedliche Kalender

Im Jahr 1999 wurde er zum Bischof geweiht und ist heute für alle Angehörigen der katholischen Kirche in Nordmazedonien zuständig. Diese lassen sich in zwei unterschiedliche Formen der Religionsausübung aufteilen: in den römischen und den byzantinischen Ritus. Speziell daran ist, dass beide Riten ihre Feiertage auf unterschiedliche Kalender beziehen und somit auch zweimal zelebriert werden. «Das ist natürlich praktisch für mich, so kann ich beispielsweise die Länge meiner Fastenzeit optimal anpassen», meint Stojanov mit einem Augenzwinkern. Das Verhältnis untereinander sei sehr gut und man unterstütze sich gegenseitig überall. «Auch das Zusammenleben mit den anderen Religionsgemeinschaften funktioniert sehr gut. Wir haben einen interreligiösen Rat, in dem sich Christen, Muslime und Juden austauschen und zusammen Probleme angehen», erzählt der Bischof.

Stojanov betont stets, dass die katholische Kirche in Nordmazedonien trotz ihrer überschaubaren Grösse eine grosse Wirkung in der Gesellschaft habe. So werden beispielsweise zwei Bildungs­einrichtungen für nachhilfebedürftige Schulkinder unterhalten sowie ein Zentrum für Kinder mit einer Beeinträchtigung. «Davon profitiert die ganze Gesellschaft, denn nur ein kleiner Teil der Menschen, die unsere Einrichtungen nutzen, sind auch katholisch.»

Von Nordmazedonien in die Nordwestschweiz

In der vergangenen Woche reiste Stojanov durch die Nordwestschweiz und erzählte an Messen über den Alltag und das Leben der katholischen Minderheit in Nordmazedonien – am Samstag war er im Arlesheimer Dom zu Gast. Organisiert wurde die Reise vom katholischen Hilfswerk «Kirche in Not», welches die nordmazedonischen Glaubensgeschwister regelmässig mit Spenden unterstützt. «Dafür sind wir sehr dankbar, dadurch können wir beispielsweise neue Kirchen bauen oder religiöse Texte ins Mazedonische übersetzen lassen.»

Auf seiner kleinen Reise durch die Schweiz kam er zu einem interessanten Schluss: «Die Schweiz ist wie ein schönes Mosaik, ähnlich wie Mazedonien. Denn hier leben Menschen mit vielen Sprachen und Religionen gemeinsam friedlich und respektvoll miteinander.»

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