Aktuell
Wochenblatt für das Schwarzbubenland und das Laufental |
Zerstörer abgeschossen Vor 70 Jahren war die Angst gross, von Deutschland überfallen zu werden |
|
Auch die Region wurde in den Luftkampf hineingezogen, als Deutschland vor 70 Jahren Frankreich angriff. Gini Minonzio Der deutsche Zerstörer musste bei Oberkirch in Zullwil notlanden. Offenbar waren die Motoren des Flugzeugs ausgefallen, denn alles geschah vollkommen lautlos. Kaum waren sie gelandet, stiegen die deutschen Soldaten aus und marschierten Richtung Dorf», erzählt Erich Waldner. Er war an jenem 8. Juni 1940 gerade mal 15 Jahre alt und in Europa tobte der Krieg. Die Notlandung des deutschen Flugzeugs lockte in der Folge zahlreiche Schaulustige, das Schweizer Militär und den Dorffotografen an. Dieser schoss Souvenirfotos, die er zum Kauf anbot, erinnert sich Waldner. Das Flugzeug blieb noch ein paar Tage auf dem Hollenfeld. Über die Hintergründe der Notlandung wusste er damals nichts. Am 10. Mai 1940 hatte Deutschland die Offensive gegen den Westen begonnen. Schon an diesem Tag verirrten sich mehrere deutsche Flugzeuge in den Schweizer Luftraum und wurden von der Schweizer Armee beschossen und zum Teil zerstört. Anfang Juni gehörten die Grenzverletzungen bereits zur Tagesordnung. Am 8. Juni kam es zu einem schlimmen Gefecht. Am Abend waren auf Schweizer Seite zwei Soldaten tot und ein Flugzeug zerstört. Vier deutsche Piloten starben, mehrere wurden gefangen genommen, und mindestens vier ihrer Flugzeuge gingen verloren. Angefangen hatte es damit, dass sechs deutsche Messerschmitt 110 die Ajoie überflogen und unvermittelt ein Schweizer Flugzeug abschossen, wobei der Pilot, Leutnant Meuli,, und der Beobachter, Oberstleutnant Gürtler, ums Leben kamen. Daraufhin liess die Schweizer Armee alle 15 flugbereiten Flugzeuge starten, die den 28 deutschen Flugzeugen gegenüber standen. Es kam zu einem Gefecht, das sich vom Chasseral über das Schwarzbubenland bis nach Luzern erstreckte. Eine deutsche Messerschmitt 110 musste mehrere Treffer einstecken. In der Gegend von Laufen wurde sie wiederum von einer Schweizer Maschine angegriffen und getroffen. In Breitenbach konnte das Flab-Detachement 80 das deutsche Flugzeug mit einer 7,5-cm-Batterie beschädigen. Nun musste der Pilot, Feldwebel Dähne, das Flugzeug In Zullwil bei Oberkirch bauchlanden. Dabei brach sich der Bordschütze, Obergefreite Klinke, zwei Finger. Sehr zur Freude der Armee, die enorm an der Technik interessiert war, war das Flugzeug nur leicht beschädigt. Gleichentags begann Deutschland, der Schweiz wegen dieser Vorfälle unverhüllt zu drohen. General Guisan verbot daraufhin Luftkämpfe über der Ajoie. Am 25. Juni übergab die Schweiz alle 17 internierten deutschen Fliegersoldaten dem Heer, womit dieses Gefecht auch diplomatisch ausgestanden war. Insgesamt stürzten in diesem Krieg 244 Flugzeuge über der Schweiz ab. Infos: www.kczum.ch |