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Wochenblatt für das Birseck und Dorneck


Brillanter Chopin
und fulminanter Bizet

Im Saal des Goetheanum war die mehrfach preisgekürte Giulietta Koch zu hören

 


Unaffektierte Bühnenpräsenz und virtuose Technik: Giulietta Koch spielte Chopin mit dem Orchester Dornach. Foto: Thomas Brunnschweiler


 

Das Orchester Dornach unter Jonathan Brett Harrison wusste einmal mehr zu gefallen. Höhepunkt bildete das 2. Klavierkonzert von Chopin mit Giulietta Koch.

Thomas Brunnschweiler

Am letzten Sonntagnachmittag bildete das Goetheanum den Anziehungspunkt für alle Musikliebhaber der Region. Mit Johann Strauss, Frédéric Chopin und Georges Bizet stand die Romantik im Zentrum. Um es vorwegzunehmen: Das Orchester Dornach hat sich noch gesteigert. Es wirkt leichtfüssiger und sicherer. Bereits bei der abwechslungsreichen Ouvertüre zum «Zigeunerbaron» schuf das Orchester einen schlanken, durchhörbaren Klang. Jonathan Brett Harrison vermochte dem gefälligen Stück, das teilweise in Wiener Tanzseligkeit badet, auch dramatische Aspekte abzugewinnen. Seelenverwandtschaft Mit dem 2. Konzert für Klavier und Orchester f-Moll op. 21 von Frédéric Chopin hatte sich die erst 21-jährige Pianistin aus Bottmingen ein Virtuosenstück vorgenommen, das in keinem romantischen Repertoire fehlen darf. Chopin war zur Entstehungszeit gerade einmal 19 Jahre alt. Der erste Satz «Maestoso» beginnt mit einer ausgedehnten Orchester-Exposition. Die Violinen setzen das lyrische, wehmütige Hauptthema, dem sich ein Seitenthema zugesellt. Mit einem effektvollen Pianissimo wird der Eintritt des Solisten vorbereitet, der beide Themen kunstvoll variiert. Die Warschauer Zeitung schrieb 1830 von Chopin, in ihm vereinigten sich alle Vorzüge eines Klaviervirtuosen: «Kraft, Geläufigkeit und vor allem Empfindung sind seine Hauptvorzüge, und der Anschlag einer jeden Taste ist bei ihm ein Ausdruck des Herzens.» Es ist keine Übertreibung, diese Charakteristik auf Giulietta Koch zu übertragen. Sie wirkt am Klavier unaffektiert, konzentriert und präsent. Trotz ihrer Feingliedrigkeit bringt sie eine erstaunliche Kraft auf die Tasten und besticht durch akzentuierte Phrasierungen, differenzierte Dynamik und ein Gespür für die unmerklichen Ritardandi, die ein romantisches Stück zum Atmen bringen. Wer bei einem solch hohen technischen Schwierigkeitsgrad noch die Melodik ziselieren kann wie Giulietta Koch, ist zweifellos auf dem Wege zum Parnassus.

Im zweiten Satz spielte sie die Nocturne-Melodie mit berückender Schönheit. Ihre Figurationen zauberten einen wohligen Schauer auf die Haut. Der dritte Satz ist ein «Allegro vivace», ein Rondo, in dem eine Mazurka verarbeitet ist. Der Satz gilt als romantische Verwirklichung des polnischen Volkstanzes. Die durch Hörnerdreiklänge eingeleitete Coda im Dreiachteltakt gab Giulietta Koch nochmals die Gelegenheit, ihre Virtuosität auszuspielen. Zum Nachtisch gab es die opulente Carmen-Sinfonie von Georges Bizet.